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Murg

Murgtal bei Gernsbach
Murgtal bei Gernsbach - vom Fluss geschaffen

Die Murg erstreckt sich in dem nach ihr benannten Tal auf etwa 80 km Länge von der Quelle im Schliffkopf-Ruhestein-Gebiet mit einer Gipfelhöhe von 1.056 m+NN bis zur Mündung in den Rhein bei Rastatt, wo ein Auenniveau von ca. 110 m+NN vorhanden ist. Die Murg kann in einen Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf unterteilt werden. Ihr Gefälleverlauf wird durch ein steiles Kerbtal (von km 51 bis 33) unterbrochen. In diesem Kerbtal, mit seinen herausragenden strukturellen Qualitäten, liegen wesentliche Abschnitte der sog. Kernzone des Wiederansiedlungsgebietes des Lachses. Es ergeben sich durch dieses steile Zwischenstück zwei Murgabschnitte bzw. Gefälleabfolgen, die vereinfacht gesehen jeweils einen Ober-, Mittel- und Unterlauf besitzen: Einmal von der Murgquelle bis zum Beginn des Engtales bei Schönmünzach (ca. bei km 50) und von dort bis zur Mündung in den Rhein. 

Das Murgeinzugsgebiet liegt im Nordschwarzwald und besitzt eine Größe von ca. 540 km2. Es ist langgestreckt und nach Norden ausgerichtet. Die größten Nebengewässer sind die Rechtmurg, nach deren Mündung die Rotmurg zur Murg wird, der Forbach und der Tonbach, die Schönmünz und die Raumünzach, der Sasbach und der Reichenbach. Im Unterlauf mündet nur noch die Oos in die Murg ein, die innerhalb Rastatt Flößerbach genannt wird. Aktuell sind die Oos und der Reichenbach in das Lachsprogramm integriert. Allerdings läuft die Oos heute überwiegend über den Sandbach in den Rhein. Auf vielen Abschnitten ist die Murg zur Wasserkraftnutzung in das eigentliche Mutterbett (Ausleitungsstrecke) und einen Kraftwerkskanal (Ober- und Unterwasserkanal) verzweigt.

Historisches Lachsgewässer Murg

Atlantischer Lachs
Atlantischer Lachs aus Baden-Württemberg

In historischen Zeiten zogen Lachse in großer Stückzahl in die Murg. Von dem Borne schreibt im Jahr 1881: "Ganz besonders wichtig ist die Murg als Lachsfluss. Sobald das Wasser etwas anschwillt, erscheint der Lachs von October bis December in grosser Zahl in der Murg, und steigt bis zur Landesgrenze auf, um zu laichen, er ist gewöhnlich 2-20 Pfund schwer. Am zahlreichsten findet er sich bis Langenbrand, weiter aufwärts nimmt seine Zahl allmählig ab. Herr Haldenwang glaubt, dass 1875 mehr wie 1000 Lachse in der Murg gelaicht haben. Der Zahl der Laichfische entsprechend, erscheinen die kleinen Lachse (Sälmlinge) im Flusse vertheilt, sie sind namentlich zwischen Langenbrand und Gaggenau häufig; nach 2 Jahren, wenn sie ungefähr 1/4 Pfund schwer geworden sind, gehen sie ins Meer."

Die letzten historischen Lachsnachweise aus der Murg stammen aus dem Jahr 1925. Noch im Jahr 1914 wurden in der Murg etwa 90 Lachse gefangen. Diese Fangzahlen basierten bereits damals zum größten Teil auf intensiven Besatzmaßnamen, die zur Stützung der zusammenbrechenden Be­stän­de erfolgten. Eine natürliche Fortpflanzung des Lachses war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr möglich. Um die vorletzte Jahrhundertwende waren die Eingriffe an der Murg bereits im Unterlauf derart massiv und rasch aufeinanderfolgend, dass verbunden mit der zunehmenden Gewässerverunreinigung der Niedergang des Lachses in der Murg - im Vergleich etwa zum Bestand der Kinzig - sehr schnell erfolgte. Diese beschleunigte Auslöschung der Murglachspopulation ergab sich aus dem enormen industriellen Aufschwung im Murgtal.

Im Murgtal gibt es in mehreren Ortschaften Gaststätten mit Namen „Salmen“. Weitere Informationen über das früher reiche Lachsvorkommen liefern der Fischereibehörde in Karlsruhe vorliegende Originaldokumente, welche u.a. noch 1913 den Lachsfang in der Murg während der Schonzeit oder der mit der Lachsaufsicht verbundenen Fischereikontrolle behandeln. Die Sache war damals von solch großer Bedeutung, dass sich das damalige Badische Ministerium des Innern der Sache selbst annahm. Gemarkungen mit der Bezeichung Salmengrund oder Salmenkopf deuten im Murgtal ebenfalls auf die historische Bedeutung des Lachses für den Nahrungserwerb hin.

Die Murg: ein Porträt

Kerbtal der Murg
Trocken gelegtes Kerbtal der Murg: Kernstück der Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses

Das Einzugsgebiet der Murg ist vorwiegend durch steile Kerbtäler und Kerbsohlentäler mit relativ schmaler Talsohle zerschnitten. Nur in Talweitungen und dann von Gernsbach an flussabwärts sind breitere Talsohlen vorhanden. Ab Rotenfels weitet sich das Tal dann deutlich und geht in die Oberrheinebene über. Von den Fischregionen her lässt sich analog zur Gefälleabfolge bei den Gewässerregionen die Abfolge Obere Forellenregion bis zur Unteren Forellenregion zweimal nachvollziehen. Flussabwärts von Gernsbach tritt die Murg in die weniger steile Äschenregion ein, welche etwa bei Rastatt von der Barbenregion abgelöst wird.

Ähnlich wie nahezu alle größeren Oberrheinzuflüsse im heutigen Baden-Württem­berg wurde auch die Murg, wegen der bei starken Hochwasserabflüssen auf­tre­ten­den Schäden, seit Beginn des 19. Jahrhunderts stark ausgebaut. Sie ver­läuft heute un­ter­halb Gernsbach auf einer Strecke von ca. 19 km in einem Dop­pel­trapezprofil mit Mittel­wasserbett, grasbewachsenen Vorländern und Hochwasserschutzdeichen. Dennoch hat sich eine vielfältige Gewässersohle erhalten, die wichtige ökologische Funktionen einnimmt.

Mit dem angelegten Trapezprofil sind die heutigen Voraussetzungen an einen schadlosen Hochwasserabfluss zu gewährleisten. Die aktuelle Anforderung an den Hochwasserschutz der Murg ist mindestens ein 50jähriges Hochwasser plus einem Sicherheitsabstand von zusätzlich 30 cm. Dieser Bemessungsabfluss wird im Rahmen aktueller Entwicklungen ständig angepasst und verbessert. Grundsätzlich muss der festgelegte Bemessungsabfluss abgeführt werden können. Sämtliche Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit im Rahmen des Wanderfischkonzeptes müssen daher den Anforderungen des Hochwasserschutzes genügen.  

Unter Gewässerstruktur versteht man die strukturelle Ausprägung eines Gewässers und seiner gewässernahen Aue. Die Strukturgüte der Murg in der Kernzone der Wiederansiedlung ist überwiegend gut bis sehr gut.

Bis zum Oberndorfer Wehr ist die Murg Wanderkorridor für Wanderfische. Flussaufwärts von Kuppenheim, in der Kernzone 1 liegen die ersten bedeutenden Lebensräume und Jungfischhabitate für Lachse. Ab Weisenbach beginnt die zentrale Kernzone 2 mit den historisch überlieferten besonderen Potenzialen für Lachse. Diese reicht bis zur Schönmünz. Flussaufwärts Schönmünzach bis zum Ende der Programmstrecke in Baiersbronn erstreckt sich die Kernzone 3.

 

Wasserqualität gut

Murg-Äsche
Äschen benötigen sauberes Wasser

Wesentliche Grundvoraussetzung für die Wiederansiedlung einer Lachspopulation in der Murg ist eine ausreichende Wasserqualität. Diese kann langfristig über die Gewässergüte als Maß für die organische Belastung des Gewässers erhoben werden. Der Gütezustand wird etwa alle fünf Jahre durch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) erhoben und in der Gewässergütekarte des Landes veröffentlicht. Die Erhebung des Gütezustandes erfolgt nach der Arbeitsanleitung „Biologisch-ökologische Gewässeruntersuchung“ aufgrund der Besiedlung der Gewässersohle mit wirbellosen Kleintieren (Makrozoobenthos), wie etwa Schnecken, Insektenlarven und Krebsen.

Die in Fließgewässern vorkommenden Tierarten sind jeweils an bestimmte Lebensbedingungen angepasst. Sauerstoff spielt hierbei die entscheidenden Rolle, ob eine Tierart bzw. eine Fischart vorkommt oder nicht. Das Artenspektrum und die Individuendichte der einzelnen Arten lassen Rückschlüsse auf den Grad der Belastung des Wassers mit organischen Stoffen und damit auf den Grad der Sauerstoffzehrung zu.

Der Gütezustand der Murg liegt in den drei besten Güteklassen:

Oberhalb km 74,3                          Güteklasse I

Von km 74,3 bis km 63,3                Güteklasse I – II

Von km 63,3 bis km 0                     Güteklasse II

Damit ist das Güteziel der Landesregierung (Güteklasse II oder besser) an der Murg seit einigen Jahren grundsätzlich erreicht. In der Gewässergütekarte von 1998 wurde der Murgabschnitt unterhalb Rastatt noch als kritisch belastet (Güteklasse II – III) eingestuft. Für die Wiederansiedlung des Lachses ist die Güteklasse II ausreichend.

Die Murg hat wieder Wasser - nahezu überall

Erlenmühle bei Weisenbach
Naturverträgliche Wasserkraft teilt das Wasser mit dem Fluss
Trockene Murg
Noch ein gewohntes Bild der Murg: die Wasserkraft nutzt das gesamte Wasser

Das Wasser der Murg wird in den Landkreisen Freudenstadt und Rastatt an zahlreichen Standorten intensiv zur Energiegewinnung genutzt. Bei den insgesamt vorhandenen 26 Wasserkraftwerken handelt es sich fast ausschließlich um Ausleitungskraftwerke. An diesen werden an den Wehren, je nach Ausbaugröße der Kraftwerksanlage, zwischen 3,7 und 24 m3/s in einen langen Kraftwerkskanal oder Stollen ausgeleitet. Dieser führt das Wasser dann zur Turbine des Wasserkraftwerks, wo die kinetische Lageenergie des Wassers über einen Generator in Strom umgewandelt wird. Erst nach der Passage der Turbine, teilweise viele Kilometer weiter talabwärts, wird das Wasser wieder in die Murg zurückgeleitet. Das ursprüngliche, natürliche Murgbett erhielt noch vor wenigen Jahren meist kein oder nur sehr wenig Wasser. In der Murg wird im Bereich weniger Ausleitungsstrecken (z.B. WKA Fa. Dorn Forbach, WKAen Gemeindewerke Baiersbronn T168 und T 20) nach wie vor noch kein Mindestabfluss abgegeben oder dieser auf eine vernachlässigbare Größe verringert. Mit der Abgabe eines ausreichenden Mindestabflusses über das Wehr oder einen Fischpass ist dieser Zustand entlang der Murg jedoch glücklicherweise inzwischen größtenteils aufgehoben, und die ökologische Funktionsfähigkeit der Murg ist wieder hergestellt. Bedeutende Wasserkraftanlagen der EnBW (Rudolf-Fettweis-Werk, Ottenau, Rotenfels), die WKAen Wolfsheck, Breitwies und Schlechtau sowie die Katzwerke, Smurfit Kappa und die Anlagen WKO und WKR geben einen ökologisch angemessenen Mindestabfluss an die Murg ab. Die Mindestabflüsse liegen im Mittel etwa bei der Hälfte des mittleren Niedrigwassers (MNQ). Es wurden Mindestabflüsse zwischen 1.000 und 2.400 l/s umgesetzt. Damit wurde eine Grundvoraussetzung geschaffen, zum einen tatsächlich weitgehend  ökologisch erzeugten Strom anzubieten und zum anderen die Anforderungen nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) an einen guten ökologischen Zustand zu erreichen.

Durchgängigkeit des Murgsystems

Durchgängigkeit des Murgsystems
Durchgängigkeit des Murgsystems

Der vom Rhein in die Murg einschwimmende Lachs kann inzwischen flussaufwärts bis nach Weisenbach schwimmen. In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Bild der Murg vollständig gewandelt und für Wanderfische in der Murg hat sich vieles zum Positiven verändert. Das erste potenzielle Wanderhindernis für Fische in der Murg, das Oberndorfer Wehr bei Murg-km 15,7, ist bereits vor über 15 Jahren durch das Land Baden-Württemberg (Gewässer I. Ordnung) durchgängig gestaltet worden. Der Gewerbekanal Rastatt - als Bypass und alternative Wanderroute zur Murg ist inzwischen an den beiden Anlagen der Stadtwerke Rastatt - jedoch nicht an der obersten der drei Kleinwasserkraftanlagen (Hettler) durchgängig. Die Stadtwerke Rastatt haben bereits im November 2011 an Ihren beiden Anlagen Fischschutz- und  Fischabstiegsanlagen in Betrieb genommen. Weiter flussaufwärts, am Abzweig des Gewerbekanals, hat das Land Baden-Württemberg das Esselwehr am Naturschutzgebiet Lieblingsfelsen mit einer rauen Rampe ausgestattet. Das erste "Wanderhindernis" für Fische, jedoch nicht für den Lachs, ist das Kaskadenwehr der Stadt Gaggenau. Dort ist seit Jahren eine neue Wasserkraftanlage geplant, mit welcher gleichzeitig die aufwärts gerichtete Durchgängigkeit wieder hergestellt werden könnte. Fischwanderhilfen sind bereits an den Wasserkraftanlagen Rotenfels (EnBW), Ottenau (EnBW), Fa. Krämer, Fa. Glatfelter, Klingelmühle, WKR Röchlin und WKO vorhanden. In Gernsbach weigern sich die Betreiber der "Brückenmühle" bereits seit Jahren, die Situation für die Durchgängigkeit nach dem Stand der Technik zu verbessern. An der Schlossmühle im selben Ort liegen zumindest bereits Planungen vor. Bei Smurfit Kappa wird ein ökologisch angemessenes Mindestwasser bereits seit 2014 abgegeben, die Inbetriebnahme der vorzeigefähigen Aufstiegsanlage an diesem Standort erfolgte in 2016. Die sich daran anschließenden Wasserkraftanlagen der Fa. Katz (Koehler Group) haben bereits in 2014 sowohl an der Erlenmühle als auch am Hauptstandort die ökologische Modernisierung der Wasserkraftanlagen erfolgreich und vorbildlich abgeschlossen. Nun stehen die Lachse in Weisenbach an und kommen wegen der noch fehlenden ökologischen Modernisierung der Standorte Schlechtau und Breitwies (Wasserkraftwerke Murg Breitwies Schlechtau GmbH & Co. KG) sowie Wolfsheck (Fa. IBET) nicht weiter. Allerdings werden auch hier in Bälde Veränderungen eintreten. Die verantwortlichen Wasserkraftbetreiber werden die ökologische Sanierung der Standorte demnächst angehen. Die Planungen sind überwiegend abgeschlossen und die wasserrechtlichen Genehmigungen liegen vor. Es wird Zeit, die Aufträge zu erteilen!

Die höchsten Wanderhindernisse für Fische in der Murg sind die Staumauern des Niederdruckwerkes in Forbach und das Wehr in Kirschbaumwasen mit 10,5 m bzw. 17 m Höhe. Die EnBW hat pünktlich zum 100jährigen Jubiläum der Rudolf-Fettweis-Werke im Jahr 2018 den Baubeginn für die Hydrofischlifte angekündigt.  Damit wird die EnBW Ihrer ökologischen Verantwortung gegenüber dem Naturraum Murg gerecht und produziert nach der ökologischen Modernisierung aller ihrer Wasserkraftanlagen tatsächlich vorbildhaft naturverträglicheren Strom. Der Hydrofischlift ist eine Sonderbauweise von Fischaufstiegshilfen, welcher langjährig, u.a. am KIT entwickelt und die Funktion wissenschaftlich erfolgreich untersucht wurde.

Das Naturparadies ist nur noch in wenigen Abschnitten trocken

Trockenes Murgbett an der Wasserkraftanlage Schlechtau
Naturparadies Murg im Kerbtal: immer noch ohne Wasser!
Trockenes Murgbett an der Wasserkraftanlage Wolfsheck
Im Verborgenen fällt die trockene Murg nicht auf

Zwischen Weisenbach und Forbach liegt - größtenteils für den vorbeifahrenden Autofahrer verborgen - ein besonderer Abschnitt der Murg. Tief eingebettet in natürliche Felszüge und schroffen Abhängen gleicht die Murg hier einem Naturparadies. Die Wasserkraftnutzung an den drei Wasserkraftanlagen Breitwies und Schlechtau (Wasserkraftwerke Murg Breitwies Schlechtau GmbH & Co. KG) sowie Wolfsheck (Fa. IBET) unterstützen die Wiederbelebung der Murg inzwischen durch ökologische Modernisierung. Damit wird die ursprünglich Natürlichkeit dieses einzigartigen Tales zumindest in Teilen wieder hergestellt.

Genau in diesem Abschnitt liegt den historischen Aufzeichnungen zufolge ein Schwerpunkt der Laichplätze und Kinderstuben des Atlantischen Lachses in der Murg. Mit der Abgabe von ökologisch ausreichendem Mindestabfluss kann sich die Natur nun endlich rasch erholen. Mit dem weitaus größeren Wasseranteil von fast 80% kann an den Standorten nach wie vor ausreichend "naturverträglicher" Strom produziert werden.

Die Fa. IBET am Standort Wolfsheck muss nun nur noch den Auftrag zur abgestimmten Umsetzung der Durchgängigkeitsbauwerke erteilen. An den Standorten Breitwies und Schlechtau der Wasserkraftwerke Murg Breitwies Schlechtau GmbH & Co. KG laufen die Vorbereitungen zur Umsetzung bereits auf Hochtouren. Wir wünschen beiden Betreibern ein glückliches Händchen und viel Erfolg bei der Modernisierung Ihrer Altanlagen. Immerhin werden ergänzend zu den ökologischen Maßnahmen auch die Wasserkraftanlagen selbst auf Vordermann gebracht werden.

Es ist ein historisches Ereignis, dass die Murg, die seit nahezu 100 Jahre energetisch ausgebeutet wurde, nun wieder ein würdiges Leben zurückbekommen hat. Dadurch dass die EnBW, die Wasserkraftwerke Murg Breitwies Schlechtau GmbH & Co. KG und die Fa. IBET die ökologische Modernisierungen Ihrer Standorte bei Forbach angehen, verbleiben im Abschnitt flussaufwärts bis Kirschbaumwasen nur noch wenige Wasserkraftanlagen bzw. Betreiber, die sich derzeit einer angemessenen ökologischen Wiedergutmachung an der Murg verweigern:

·         Wasserkraftanlage Hettler, Rastatt

·         Wasserkraftanlage Brückenmühle, Gernsbach

·         Wasserkraftanlage Fa. Dorn, Forbach

An der Anlage Schloßmühle in Gernsbach wurde zumindest bereits eine Planung erstellt. 

Sobald auch diese verbleibenden Standorte Ihren verpflichtenden Beitrag leisten, kann der Bestandsaufbau des Lachses in der Murg endlich beginnen.

Bestes Potenzial für Wanderfische

Trockenes Murgbett bei Breitwies
Natürliche Flussbettstrukturen der Murg mit herausragendem Potenzial für die Wiederansiedlung von Wanderfischen

Zusammenfassend weist die Murg ein herausragendes Potenzial für die Etablierung des Atlantischen Lachses in Baden-Württemberg auf. Das Meerneunauge hat in der Murg bereits ebenso sein Zuhause wieder gefunden wie das Flussneunauge. An der verbesserten Durchgängigkeit für Fische wird derzeit Schritt für Schritt gearbeitet. Zahlreiche Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlagen, welche den Standard der Wanderfische erfüllen, sind erstellt worden oder sind derzeit im Bau. Die Gewässerstrukturen in der Kernzone der historischen Verbreitung und damit der Wiederansiedlung zwischen Weisenbach und Forbach sind nahezu ursprünglich geblieben; die Wasserqualität ist wieder gut. Mit der Abgabe ausreichender Mindestabflüsse an nahezu allen Standorten wurde die Murg wiederbelebt und kann sich entwickeln. Die Voraussetzungen für einen ernsthaften Bestandsaufbau beim Atlantischen Lachs sind in wenigen Jahren tatsächlich erfüllt. Inzwischen arbeiten die Behörden, allen voran die Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe, seit 2004 an der Wiederbelebung der wunderbaren Rastätter Murg.

Start für die Revitalisierung Murg flussaufwärts von Forbach

Murgwehr Kirschbaumwasen
Eines der beiden großen Wanderhindernisse an der Murg: Ausleitungswehr Kirschbaumwasen
Obere Murg bei Röt
Gute Fischlebensräume in der Murg oberhalb Forbach

In Forbach am Niederdruckwerk der EnBW trifft der Atlantische Lachs erstmals auf ein sehr hohes Hindernis. Weiter murgaufwärts folgt dann das Wehr Kirschbaumwasen, welches noch größere Dimensionen aufweist und aktuell ebenfalls noch nicht fischpassierbar ist. Allerdings wird hier seit dem 01. April 2016 die Ausleitungsstrecke der Murg mit einem Mindestabfluss versorgt. An beiden Wehren wird wegen der räumlichen Enge jeweils ein Hydrofischlift zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit errichtet. Im Jahr 2018 erfolgt der Startschuss für deren Bau.

Es ist nun absehbar, dass die Standorte der Wasserkraftnutzung zwischen Rastatt und Forbach in beide Richtungen einschließlich der großen Barrieren der EnBW durchgängig gestaltet werden. Daher wird derzeit auch die Murg flussaufwärts von Forbach für den Lachs erschlossen. Dort liegen ebenfalls hervorragende natürliche Gewässerstrukturen vor – inzwischen zum Großteil bereits mit Mindestwasser. Von Forbach ausgehend, über Schönmünz bis Baiersbronn, wechselt die Forellenregion wieder in die flachere Äschenregion.

Die Murg zeigt sich ab Schönmünz wieder von ihrer sanften Seite. Die schroffen Felsformationen weichen ausladenden Bögen im breiten Flusstal. Dort lag einst eine bedeutende Äschenpopulation vor. Es ist überliefert, dass zwischen Schönmünzach und Baiersbronn die Äschen noch vor 15 bis 20 Jahren häufiger anzutreffen waren als die die Bachforelle. Heute ist die Äsche dort leider fast ausgestorben, wie in vielen weiteren Gewässern Baden-Württembergs. Durch Anstrengungen der ansässigen Fischerei kann die Äsche in kleinen Beständen erhalten werden.

Für Wanderfische, insbesondere den Atlantischen Lachs, liegen auf diesem Abschnitt ausgezeichnete Laich- und Aufwuchsbedingungen vor. In alten Oberamtsschriften ist belegt, dass Lachse in der barrierefreien Zeit der Murg bis Baiersbronn aufstiegen.

An zahlreichen Wasserkraftanlagen zwischen Schönmünzach und Baiersbronn sind Planungen für ökologische Modernisierungen erstellt und diese sollen in Bälde umgesetzt werden. Dadurch dass die Ökologisierung in der Unteren und Mittlere Murg in wenigen Jahren abgeschlossen sein wird, ist es Zeit und auch zielführend in der Oberen Murg zu beginnen.

Für den Standort der WKA Gaisser liegt bereits eine Genehmigung für die ökologische Modernisierung vor, für andere Wasserkraftanlagen ebenso. Es wird Zeit für Taten! 

Erste Erfolge

Erster Murg-Lachs 2011
Erster Lachsfang aus der Murg im Dezember 2011

Bereits seit einigen Jahren können in der Murg Lachslaichplätze festgestellt werden, erstmals in 2005. Am 2. Dezember 2011 konnte während einer gezielten Nachsuche des Regierungspräsidiums Karlsruhe erstmals in der Murg seit über 80 Jahren wieder ein Lachs gefangen werden. Das männliche Tier wies eine Länge von 81 cm auf und stand im Hochzeitskleid. Bis nach Gernsbach wurden aufwandernde Lachse bislang nachgewiesen. Dies kann auch deshalb als Erfolg gewertet werden, da mit dem Bestandsaufbau bislang nur sehr verhalten vorangeschritten werden konnte. Nur wenn an den Wasserkraftanlagen auch ausreichende Fischschutz- und Abwandereinrichtungen in Betrieb genommen sind, können abwandernde Junglachse auch schadfrei den Rhein erreichen. Bislang wird solange aus Gründen des Tierschutzes auf einen angemessenen Lachsbesatz verzichtet, bis solche Schutzeinrichtungen gebaut sind.

Oos in Baden-Baden

Das Quellgebiet der Oos befindet sich im Schwarzwald unterhalb des Scherrhofes auf annähernd 700 m Höhe. Die Oos fließt durch Oberbeuern und an der Südseite des Klosters Lichtenthal vorbei durch Baden-Baden. Im Jahr 1851 wurde die Oos geteilt: der neue Ooskanal verbindet seither die Oos mit dem Sandbach und führt den dominanten Abfluss. Der Sandbach wiederum mündet flussabwärts der Stufe Iffezheim in den Rhein. Die nordwärts führende „alte“ Oos führt hingegen kaum noch Wasser und fließt bei Rastatt-Niederbühl über den Landgraben in die Murg. Aus der Murg sind früher Lachse in die Oos eingestiegen. Bereits um 1900 hat es in Baden-Baden eine Lachsbesatzstelle gegeben. Heute präsentiert sich die Oos in Baden-Baden in einem zunehmend naturnäheren Zustand. Zahlreiche Strukturverbesserungsmaßnahmen in Baden-Baden und auch im Sandbach haben den Gewässerlebensraum für Junglachse in dem kleinen Lachsgewässer deutlich aufgewertet. Die Wanderroute für aufsteigende Lachse führt heute über den Sandbach in die Oos. Das "Schafwehr" wurde hierzu in 2010 in eine raue Rampe umgestaltet und ist somit für Wanderfische durchgängig. Weitere Maßnahmen sind geplant oder befinden sich in der Umsetzung. Vor allem die Stadt Baden-Baden hat in den vergangenen Jahren mit den orstansässigen Anglern zahlreiche gewässerökologische Maßnahmen umgesetzt.