• WFBW-Kontakte
  • Geschäftsführer:
  • Reinhart Sosat
  • Goethestraße 9
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  • Tel.: +49 (0) 711 252947-50

Wir helfen Fischen auf die Sprünge!

Die Wanderfische Baden-Württemberg gemeinnützige GmbH, kurz WFBW, wurde vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg mit dem Ziel gegründet, Wanderfischen im heimischen Rheingebiet wieder einen Lebensraum zu bieten. Die WFBW setzt sich vorrangig für die Wiedereinbürgerung von Lachs und Meerforelle ein und unterstützt damit die erfolgreiche Arbeit des Wanderfischprogammes in Baden-Württemberg. 

Saubere und intakte Flüsse sind Lebensadern unserer Landschaft und wichtig für unsere Lebensqualität. Sie sind gleichzeitig die Voraussetzung für die Rückkehr der Wanderfische. Die bisherigen Erfolge zeigen, dass wir diese Ziele erreichen können. Auf dem Weg dorthin ist noch viel zu tun. Hierbei bitten wir um Ihre Unterstützung!

 

 

 

 

 

 

 

 

Bisherige Erfolge

Es ist deutlich einfacher, eine Tierart auszurotten als eine verschwundene Art wieder anzusiedeln. Vor allem wenn der natürliche Lebensraum, wie jener des Atlantischen Lachses, so vielgestaltig ist, sich über tausende Kilometer erstreckt und in der Vergangenheit intensiv durch Verbau und Nutzung beeinträchtigt und zerstört wurde. Die Wiederherstellung ausreichender Lebensraumverhältnisse für den Lachs in den Flüssen von Baden-Württemberg ist daher eine große Aufgabe. Daran wird seit vielen Jahren gearbeitet und allmählich werden Erfolge sichtbar.

Durchgängigkeit, Fischschutz und Mindestabfluss

In den Lachs-Programmgewässern in Baden-Württemberg wurden an Wanderbarrieren bis heute insgesamt 150 Fischaufstiegsanlagen („Fischtreppen“) und andere Durchgängigkeitsbauwerke in Betrieb genommen. An Wasserkraftanlagen wurden für die Abwärtswanderung von Fischen rund 80 Fischschutzeinrichtungen (Feinrechen) und Abstiegsanlagen (Bypässe) gebaut. Bedeutende Gewässerstrecken der Wasserkraftnutzung fallen auf einer Gesamtlänge von über 100 km nicht mehr trocken, sondern erhalten dauerhaft ausreichende Mindestabflüsse. Da diese Maßnahmen oft gegen erhebliche Widerstände von Gewässernutzern und damit auch häufig über Gerichtsentscheidungen durchgesetzt werden müssen, verwundert das für Außenstehende gemächlich erscheinende Tempo der Verbesserungen nicht. Dennoch: wer heute die Programmgewässer entlangfährt und ihren Zustand vor zehn Jahren kennt, wird feststellen, dass erhebliche Erfolge bei der Durchgängigkeit und Gewässerentwicklung vorzuweisen sind. Diese Lebensraumaufwertungen sind ein wesentlicher Erfolg insbesondere des Lachsprogramms.

Lebensraumqualität

Seit dem Start des koordinierten baden-württembergischen Lachsprogramms im Jahr 2002 sind zahlreiche Gewässerabschnitte durch Strukturmaßnahmen wiederbelebt worden. Solche „Renaturierungen“ wurden in allen Programmstrecken durchgeführt und es sind weitere geplant. Mit der Schaffung einer größeren Naturnähe und der Unterstützung natürlicher morphodynamischer Prozesse in den Programmgewässern wird die sogenannte fischökologische Funktionsfähigkeit in diesen Abschnitten verbessert. Wichtige Gewässerfunktionen erfordern ständige Umgestaltungen des Gewässerbettes, welche durch wiederkehrende Hochwässer verursacht werden. Hierbei entstehen auch regelmäßig Nischen für den Atlantischen Lachs, andere Wanderfischarten sowie standorttypische Flussfische. Großräumige Strukturmaßnahmen stoßen allerdings infolge der geringen Flächenverfügbarkeiten entlang der Flüsse an Grenzen. Die Anforderungen an den Hochwasserschutz und der bestehende Ufer- und Flächenverbau im unmittelbaren Gewässerumfeld verbieten oftmals großzügige Lösungen, bei welchen auf langen Strecken wieder natürliche Laufentwicklungen von Flüssen hergestellt werden können. Ungeachtet dieser oft ungünstigen Voraussetzungen wurden in den Programmgewässern inzwischen etwa 40 strukturverbessernde Maßnahmen umgesetzt.

Bestandsaufbau

Der Aufbau einer neuen Rheinlachs-Population schreitet nur soweit voran, wie auch die Lebensraumpotenziale in den Programmgewässern entwickelt und erschlossen werden. Zudem sind die Kapazitäten für die Aufzucht von Junglachsen begrenzt. Immer wieder gibt es auch Rückschläge bei der Lachserbrütung im Lachszuchtverbund Wolftal, Karlsruhe, Obenheim und Petit Camargue Alsacienne, und es können weniger Fische in die Gewässer eingebracht werden als Lebensraumkapazitäten vorliegen. Trotz dieser in Fischzuchtanlagen immer wieder auftretenden Herausforderungen ist die Leistungsfähigkeit der Lachszuchten hoch und es können im Südlichen Rheinsystem insgesamt jährlich über 800.000 Junglachse erbrütet und teilweise aufgezogen werden. Die Zahlen für Baden-Württemberg schwanken derzeit zwischen 250.000 und 400.000 Lachsbrütlingen pro Jahr. Der Aufbau eines Rheinlachsstammes ist auch deshalb erschwert, weil von den jährlich 100 bis 250 zurückkehrenden Lachsen in Iffezheim nach internationaler Vereinbarung ein Großteil der Tiere die Möglichkeit zur Weiterwanderung haben muss, um natürlicherweise abzulaichen. Durch die relativ geringe Entnahme von Elterntieren fehlt geeignetes Besatzmaterial und die jährlichen Stückzahlen können auch aus Kostengründen nur allmählich auf die angestrebten 1 Millionen Lachsbrütlinge für Baden-Württemberg gesteigert werden. Schließlich werden Junglachse nur in solche Flussabschnitte gesetzt, in denen diese auch eine Chance auf gesunde Abwanderung haben. Da immer noch zahlreiche Wasserkraftanlagen keine Fischschutzanlage gebaut haben, müssen darüber liegende, geeignete Gewässerläufe noch „lachsfrei“ bleiben. Derzeit sind in einigen Programmgewässern weniger als 30% der potenziellen Jungfischlebensräume für Besatzmaßnahmen nutzbar.

Natürliche Fortpflanzung

Dagegen hat das natürliche Laichgeschehen von Lachsen in den Programmgewässern den Beobachtungen zufolge deutlich zugenommen. Inzwischen werden in vielen Programmgewässern, selbst in von der Rheinmündung weit abgelegenen Abschnitten, regelmäßig Laichplätze von Lachsen entdeckt oder sogar Lachse beim Laichen direkt beobachtet. Ein regelmäßiges Monitoring zum Laicherfolg von Lachsen ist in Baden-Württemberg nicht eingerichtet. Der Aufwand hierfür wäre hoch und die Mittel hierfür liegen leider nicht vor. Das gemeldete Vorkommen von Lachslaichplätzen beruht daher auf in der Regel von Anglern gemeldeten Zufallsfunden.

Wissenschaftliche Begleitung

Mit zunehmendem Programmfortschritt nimmt das Wissen um die Wanderfische durch Untersuchungen und Forschung (Gewässerdynamik, Genetik u.a.) zu. Dieser Wissenszuwachs ist nicht nur theoretisch entwickelt, sondern es werden Informationen direkt durch Erhebungen aus den Gewässern gewonnen. So werden unter anderem Laichplätze untersucht, um aus den Erkenntnissen zielgerichtete Empfehlungen für Strukturmaßnahmen treffen zu können. Gemeinsam mit Partnern von spezialisierten Büros und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie durch die internationale Vernetzung der Forschungseinrichtungen innerhalb der europäischen Lachs- und Wanderfischprogramme kann die Qualität der Umsetzung ständig verbessert werden. Der Stand der Technik zahlreicher ökologischer Maßnahmen wird dabei weiterentwickelt und fortgeschrieben. In der Summe können mit zunehmendem Verständnis um die fischökologischen Zusammenhänge und die gewässerökologischen Funktionen der Programmgewässer auch die Potenziale für Wanderfische immer besser ausgeschöpft werden.

Nutzung

Nicht verstecken muss sich auch das erklärte Ziel der Fischerei, in der Zukunft wieder die Nutzung von Wanderfischen aufzunehmen. Durch eine angepasste, nachhaltige Nutzung im Rahmen der gegebenen Potenziale kann das Wanderfischprogramm weitere Zustimmung und Unterstützung erfahren. In zahlreichen Ländern dieser Erde wird eine solche schonende Nutzung von Lachsen erfolgreich betrieben und diese fördert nicht nur den Tourismus in der Region, sondern transportiert Kenntnisse und Empathie in die Öffentlichkeit. Es ist ein rechtmäßiges Anliegen von Angelfischern, eines Tages wieder diesen besonderen Fisch, nämlich den König der Flüsse angeln zu können. Die Angler waren es nicht, welche die Flüsse zerstört und den Lachs ausgerottet haben. Im Gegenteil, die Impulse für einen nachhaltigen Gewässer- und Fischartenschutz kommen zum großen Teil aus diesem Kreis. Aktuell werden die fischereirechtlich geschützten Lachse lediglich als Beifang gefangen und schonend wieder zurückgesetzt. Solche zufälligen Fänge von Lachsen oder anderen Wanderfischen bitten wir für die Statistik und als wertvolle Hinweise dringend den zuständigen Fischereibehörden in den Regierungspräsidien Freiburg (Gerhard.Bartl(at)rpf.bwl.de) und Karlsruhe (Frank.Hartmann(at)rpk.bwl.de) zu melden.