Aktuelles
Hier finden Sie aktuelle Informationen rund um die Wanderfische in Baden-Württemberg. Nachrichten, aktuelle Projekte oder die neuesten Zahlen zum Fischaufstieg an den Kontrollstationen der Fischpässe Iffezheim und Gambsheim können von hier aus abgerufen werden.
Kleine Fische und die große Freiheit
Gut 80.000 Lachse werden jährlich in der Kinzig ausgewildert. Kinder aus Zell trugen dazu bei indem sie etwa 200 Junglachse in den Erlenbach bei Biberach ausgesetzt haben. Der Mündungsbereich des Erlenbachs war übrigens deshalb als Startpunkt für den Sprung in die Freiheit der Fischlein auserwählt worden, weil die Gewässer für die Jahreszeit unüblich viel Wasser führen und es am Fluss für die Mädchen und Buben der in Zell beheimateten ökumenischen "Igelgruppe" der "Zeller Krabbelkinder" sowie deren Geschwistern und Freunden viel zu gefährlich geworden wäre. Normalerweise werden die jungen Fische früher im Jahr in die Freiheit entlassen, damit die Auswilderung noch natürlicher ist. Doch die Aktion mit diesen Junglachsen hatte auch großen Symbolcharakter: Mit dem Aufbau eines Elterntierstamms in der Lachszucht Wolftal in Oberwolfach durch den Landesfischereiverband wird ein weiterer Mosaikstein zur erfolgreichen Wiederansiedlung der Wanderfische geschaffen.Die Aktion wurde von den Ortenauer Sparkassen mit etwa 10000€ unterstützt.
»Aus kleinen Fische werden große«, blickte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Haslach-Zell, Mathias Wangler, optimistisch in die Zukunft der nur wenige Zentimeter kleinen Fischlein, die von Kindern unterschiedlichen Alters liebevoll in die große weite Welt des Erlenbachs entlassen wurden. Wangler wünschte den vier Monate alten Lachsen gutes Gedeihen und empfand die Aktion fast als einen »historischen Moment«. Die Sparkasse engagiere sich vielfältig, »doch was zunimmt, sind Spenden für die Umwelt«.
Die werden auch dringend gebraucht. Das machte Ralf Oberacker deutlich. Der Präsident des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg bedankte sich bei Wangler sowie den ebenfalls vor Ort weilenden Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Thomas Laubenstein (Gengenbach) und Günter Rauber (Wolfach). Zu dieser stolzen Spendensumme haben außerdem auch die Sparkasse Hanauerland und die Sparkasse Offenburg / Ortenau beigetragen. Derartige Unterstützung sei unbedingt notwendig, so Oberacker, um dem Ziel einer Wiedereinbürgerung der Wanderfische näher zu kommen. Dazu gehören beispielsweise auch kosten- und arbeitsintensive Renaturierungsmaßnahmen, der Rückbau von Wehren, ein problemloser Auf- und Abstieg an Wasserkraftwerken und die Einhaltung von Mindestwassermengen. »Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber erste Erfolge haben sich eingestellt«, führte Oberacker weiter aus. Dazu zählt zum Beispiel, dass erst vor kurzem ein großes Lachsweibchen von 104 Zentimetern Länge bei Willstätt gefangen und nach der Entnahme von Schuppenproben zu Bestimmungszwecken wieder schonend zurück gesetzt wurde.
Die nun von den Kindern eingesetzten Junglachse sind bereits Nachkommen von in den Rhein zurückgekehrten Elterntieren. »Der Besatz mit solchen schon an die Gewässerverhältnisse angepassten Fischen ist ein weiterer großer Schritt beim Wiederaufbau des Rheinlachsbestandes in den badischen Gewässern«, urteilte auch Stephan Stäbler von der vom Landesfischereiverband gegründeten gemeinnützigen Wanderfische Baden-Württemberg GmbH (WFBW). Ein sicheres Zeichen, dass die Bemühungen um deren erste Wiederansiedlung Früchte getragen haben seien neben der Sichtung von Lachsen und Meeresforellen die 2011 und 2012 entdeckten Laichgruben in Kinzig, Alb und Murg.
Am 10. 07.2012 wurden auf der Gernsbacher Murginsel hunderte Junglachse in die Freiheit entlassen.
Kinder der Grundschulen aus Staufenberg und Gernsbach stiegen zusammen mit der Karlsruher Regierungspräsidentin Nicolette Kressl in die Murg um die etwa fünf Zentimeter langen Junglachse ins Wasser zu setzen, alles in der Hoffnung, dass sie eines Tages als ausgewachsene Fische den Weg zurück finden. Ein bis zwei Jahre werden sich die Junglachse in der Murg aufhalten bevor sie ihre Wanderung zum Rhein und in den Atlantik bis nach Grönland beginnen. Etwa 15 Zentimeter messen die Lachse, wenn sie die Murg verlassen.
Die ehrenamtlich tätigen Määnder-Mitglieder hoffen auf viele „Rückkehrer“. So nennt man die Lachse, die die beschwerliche Reise zurück an ihren Geburtsort überleben. Im vergangenen Dezember wurde nach 86 Jahren der erste atlantische Lachs gefangen und ein Laichplatz im Kiesbett bei Bad Rotenfels entdeckt.
Früher fand der Lachs in der Murg beste Lebensbedingungen vor. Aber mit der Industrialisierung stieg auch die Verschmutzung der Murg an. Inzwischen sind wieder etwa 40 Fischarten nachweisbar.
„Das Ziel ist aber noch lange nicht erreicht. Mit Besatz allein ist es nicht getan. Renaturierung, der Rückbau von Wehren, ein problemloser Auf- und Abstieg an Wasserkraftwerken und die Einhaltung von Mindestwassermengen gehören ebenfalls dazu.“ mahnte Ralf Oberacker, Präsident des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg.
Auch das Regierungspräsidium wies auf die trockenen Stellen hin, die in der Vergangenheit regelmäßig zu sehen waren. Mit dem neuen Wasserhaushaltsgesetz habe sich vieles verändert. Es bestehe die rechtliche Forderung, die Murg auf weiten Strecken wieder in einen ökologisch guten Zustand zu versetzen.
„60000 Junglachse werden im Jahr in der Murg ausgesetzt, 300000 Brütlinge sollen es einmal werden. „Dies wollen wir so lange fortsetzen, bis die Natur soweit ist, dass wir den Besatz zurückfahren können oder eines Tages sogar ganz darauf verzichten können.“ informierte der Präsident des Landesfischereiverbandes.
Und das nicht nur an der Murg. Der Landesfischereiverband hat die Wanderfische Baden-Württemberg GmbH gegründet, die sich an sieben „Programm-Gewässern“ um die Wiederansiedlung von Lachs und anderen Wanderfischen bemüht.



































