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17.12.2011 20:27

Lachs-Laichplätze in Kinzig, Murg und Alb

Lachse wandern wieder in die Fließgewässer von Baden-Württemberg ein


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Murg

Murgtal bei Gernsbach - vom Fluss geschaffen
Murgtal bei Gernsbach

Die Murg erstreckt sich in dem nach ihr benannten Tal auf etwa 80 km Länge von der Quelle im Schliffkopf-Ruhestein-Gebiet mit einer Gipfelhöhe von 1.056 m+NN bis zur Mündung in den Rhein bei Rastatt, wo ein Auenniveau von ca. 110 m+NN vorhanden ist. Die Murg kann in einen Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf unterteilt werden. Ihr Gefälleverlauf wird durch ein steiles Kerbtal (von km 51 bis 33) unterbrochen. In diesem Kerbtal, mit seinen herausragenden strukturellen Qualitäten, liegen wesentliche Abschnitte der sog. Kernzone des Wiederansiedlungsgebietes des Lachses. Es ergeben sich durch dieses steile Zwischenstück zwei Murgabschnitte bzw. Gefälleabfolgen, die vereinfacht gesehen jeweils einen Ober-, Mittel- und Unterlauf besitzen: Einmal von der Murgquelle bis zum Beginn des Engtales bei Schönmünzach (ca. bei km 50) und von dort bis zur Mündung in den Rhein. 

Das Murgeinzugsgebiet liegt im Nordschwarzwald und besitzt eine Größe von ca. 540 km2. Es ist langgestreckt und nach Norden ausgerichtet. Die größten Nebengewässer sind die Rechtmurg, nach deren Mündung die Rotmurg zur Murg wird, der Forbach und der Tonbach, die Schönmünz und die Raumünzach, der Sasbach und der Reichenbach. Im Unterlauf mündet nur noch die Oos in die Murg ein, die innerhalb Rastatt Flößerbach genannt wird. Aktuell sind die Oos und der Reichenbach in das Lachsprogramm integriert. Allerdings läuft die Oos heute überwiegend über den Sandbach in den Rhein. Auf vielen Abschnitten ist die Murg zur Wasserkraftnutzung in das eigentliche Mutterbett (Ausleitungsstrecke) und einen Kraftwerkskanal (Ober- und Unterwasserkanal) verzweigt.

Historisches Lachsgewässer Murg

Atlantischer Lachs aus Baden-Württemberg
Atlantischer Lachs

Die letzten historischen Lachsnachweise aus der Murg stammen aus dem Jahr 1925. Noch im Jahr 1914 wurden in der Murg etwa 90 Lachse gefangen. Diese Fangzahlen basierten bereits damals zum größten Teil auf intensiven Besatzmaßnamen, die zur Stützung der zusammenbrechenden Be­stän­de erfolgten. Eine natürliche Fortpflanzung des Lachses war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr möglich. Um die vorletzte Jahrhundertwende waren die Eingriffe an der Murg bereits im Unterlauf derart massiv und rasch aufeinanderfolgend, dass verbunden mit der zunehmenden Gewässerverunreinigung der Niedergang des Lachses in der Murg - im Vergleich etwa zum Bestand der Kinzig - sehr schnell erfolgte. Diese beschleunigte Auslöschung der Murglachspopulation ergab sich aus dem enormen industriellen Aufschwung im Murgtal.

Im Murgtal gibt es in mehreren Ortschaften Gaststätten mit Namen „Salmen“. Weitere Informationen über das früher reiche Lachsvorkommen liefern der Fischereibehörde in Karlsruhe vorliegende Originaldokumente, welche u.a. noch 1913 den Lachsfang in der Murg während der Schonzeit oder der mit der Lachsaufsicht verbundenen Fischereikontrolle behandeln. Die Sache war damals von solcher großer Bedeutung, dass sich das damalige Badische Ministerium des Innern der Sache selbst annahm. Gemarkungen mit der Bezeichung Salmengrund oder Salmenkopf deuten im Murgtal ebenfalls auf die historische Bedeutung des Lachses für den Nahrungserwerb hin.

Die Murg: ein Porträt

Trocken gelegtes Kerbtal der Murg: Kernstück der Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses
Kerbtal der Murg

Das Einzugsgebiet der Murg ist vorwiegend durch steile Kerbtäler und Kerbsohlentäler mit relativ schmaler Talsohle zerschnitten. Nur in Talweitungen und dann von Gernsbach an flussabwärts sind breitere Talsohlen vorhanden. Ab Rotenfels weitet sich das Tal dann deutlich und geht in die Oberrheinebene über. Von den Fischregionen her lässt sich analog zur Gefälleabfolge bei den Gewässerregionen die Abfolge Obere Forellenregion bis zur Unteren Forellenregion zweimal nachvollziehen. Flussabwärts von Gernsbach tritt die Murg in die weniger steile Äschenregion ein, welche etwa bei Rastatt von der Barbenregion abgelöst wird.

Ähnlich wie nahezu alle größeren Oberrheinzuflüsse im heutigen Baden-Württem­berg wurde auch die Murg, wegen der bei starken Hochwasserabflüssen auf­tre­ten­den Schäden, seit Beginn des 19. Jahrhunderts stark ausgebaut. Sie ver­läuft heute un­ter­halb Gernsbach auf einer Strecke von ca. 19 km in einem Dop­pel­trapezprofil mit Mittel­wasserbett, grasbewachsenen Vorländern und Hochwasserschutzdeichen. Dennoch hat sich eine vielfältige Gewässersohle erhalten, die wichtige ökologische Funktionen einnimmt.

Mit dem angelegten Trapezprofil sind die heutigen Voraussetzungen an einen schadlosen Hochwasserabfluss zu gewährleisten. Die aktuelle Anforderung an den Hochwasserschutz der Murg ist mindestens ein 50jähriges Hochwasser plus einem Sicherheitsabstand von zusätzlich 30 cm. Dieser Bemessungsabfluss wird im Rahmen aktueller Entwicklungen ständig angepasst und verbessert. Grundsätzlich muss der festgelegte Bemessungsabfluss abgeführt werden können. Sämtliche Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit im Rahmen des Wanderfischkonzeptes müssen daher den Anforderungen des Hochwasserschutzes genügen.  

Unter Gewässerstruktur versteht man die strukturelle Ausprägung eines Gewässers und seiner gewässernahen Aue. Die Strukturgüte der Murg in der Kernzone der Wiederansiedlung ist überwiegend gut bis sehr gut.

Bis zum Oberndorfer Wehr ist die Murg Wanderkorridor für Wanderfische. Flussaufwärts von Kuppenheim, in der Kernzone 1 liegen die ersten bedeutenden Lebensräume und Jungfischhabitate für Lachse. Ab Weisenbach beginnt die zentrale Kernzone 2 mit den historisch überlieferten besonderen Potenzialen für Lachse. Diese reicht bis zur Schönmünz. Flussaufwärts Schönmünzach bis zum Ende der Programmstrecke in Baiersbronn erstreckt sich die Kernzone 3.

 

Wasserqualität gut

Äschen benötigen sauberes Wasser
Murg-Äsche

Wesentliche Grundvoraussetzung für die Wiederansiedlung einer Lachspopulation in der Murg ist eine ausreichende Wasserqualität. Diese kann langfristig über die Gewässergüte als Maß für die organische Belastung des Gewässers erhoben werden. Der Gütezustand wird etwa alle fünf Jahre durch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) erhoben und in der Gewässergütekarte des Landes veröffentlicht. Die Erhebung des Gütezustandes erfolgt nach der Arbeitsanleitung „Biologisch-ökologische Gewässeruntersuchung“ aufgrund der Besiedlung der Gewässersohle mit wirbellosen Kleintieren (Makrozoobenthos), wie etwa Schnecken, Insektenlarven und Krebsen.

Die in Fließgewässern vorkommenden Tierarten sind jeweils an bestimmte Lebensbedingungen angepasst. Sauerstoff spielt hierbei die entscheidenden Rolle, ob eine Tierart bzw. eine Fischart vorkommt oder nicht. Das Artenspektrum und die Individuendichte der einzelnen Arten lassen Rückschlüsse auf den Grad der Belastung des Wassers mit organischen Stoffen und damit auf den Grad der Sauerstoffzehrung zu.

Der Gütezustand der Murg liegt in den drei besten Güteklassen:

Oberhalb km 74,3                          Güteklasse I

Von km 74,3 bis km 63,3                Güteklasse I – II

Von km 63,3 bis km 0                     Güteklasse II

Damit ist das Güteziel der Landesregierung (Güteklasse II oder besser) an der Murg seit einigen Jahren grundsätzlich erreicht. In der Gewässergütekarte von 1998 wurde der Murgabschnitt unterhalb Rastatt noch als kritisch belastet (Güteklasse II – III) eingestuft. Für die Wiederansiedlung des Lachses ist die Güteklasse II ausreichend.

Die Murg braucht Wasser

Naturverträgliche Wasserkraft teilt das Wasser mit dem Fluss
Erlenmühle bei Weisenbach
Noch ein gewohntes Bild der Murg: die Wasserkraft nutzt das gesamte Wasser
Trockene Murg

Über eine lange Zeit wurde die Wasserkraft der Murg nur zum Antrieb der verschiedenen Sägewerke und Mühlen genutzt, bis ihr die weitergehende Holzverarbeitung und schließlich die Papierherstellung eine neue Bedeutung zukommen ließen. Durch die Industrialisierung und den fortschreitenden Ausbau des Bahnnetzes stieg die Nachfrage nach elektrischem Strom. Wegen ihrer natürlichen Gegebenheiten (großes Gefälle und hohe Wasserführung) war die Murg für den Bau größerer Stromerzeugungsanlagen geeignet. Anfang des vorigen Jahrhunderts waren noch deutlich mehr Wasserkraftanlagen, vor allem Mühlen vorhanden, die teilweise größeren Anlagen wichen oder wegen ihrer geringen Wirtschaftlichkeit aufgegeben wurden.

Der Abfluss der Murg wird derzeit insbesondere im Landkreis Rastatt intensiv zur Energiegewinnung genutzt. Bei den dort vorhandenen rund 20 Wasserkraftwerken handelt es sich fast ausschließlich um Ausleitungskraftwerke. Für diese werden vom Murgabfluss, je nach Ausbaugröße der Kraftwerksanlage an den Wehren, zwischen 3,7 und 24 m3/s in einen Kraftwerkskanal oder Stollen ausgeleitet. Dieser leitet das Wasser dann zum Wasserkraftwerk und unterhalb des Kraftwerks nach dem Antreiben der Turbine wieder in die Murg zurück. Das ursprüngliche, natürliche Murgbett erhält dann meist kein oder nur wenig Wasser. In der Murg im Bereich der Wasserausleitungen (Ausleitungsstrecken) ist die meiste Zeit des Jahres derzeit noch kein Abfluss vorhanden oder auf eine vernachlässigbare Größe verringert. Mit der Abgabe eines ausreichenden Mindestwassers über das Wehr oder einen Fischpass, soll dieser Zustand in den zum Teil mehrere Kilometer langen Ausleitungsstrecken der Murg künftig verbessert werden. In Zusammenhang mit der Erfüllung der Anforderungen nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) wird es zu Verbesserungen beim Mindestabfluss kommen müssen. Nur mit Wasser in der Murg kann ein guter ökologischer Zustand erzielt werden.

Durchgängigkeit des Murgsystems
Durchgängigkeit des Murgsystems

Das erste Wanderhindernis für Fische in der Murg, das Oberndorfer Wehr bei Murg-km 15,7, ist bereits vor nahezu 10 Jahren durch das Land Baden-Württemberg (Gewässer I Ordnung) durchgängig gestaltet worden. Ebenso ist der davon abwärts gelegene Gewerbekanal - als Bypass der Murg - inzwischen bis auf die oberste der Kleinwasserkraftanlagen in Richtung Forbach durchgängig. Die Stadtwerke Rastatt (StaR) haben im November 2011 an Ihren beiden Anlagen Fischschutz- und  Fischabstiegsanlagen in Betrieb genommen. Weiter flussaufwärts, am Abzweig des Gewerbekanals, hat das Land Baden-Württemberg das Esselwehr am Naturschutzgebiet Lieblingsfelsen mit einer rauen Rampe ausgestattet. Auch am Rotenfelser Wehr bei km 19,2 ist inzwischen eine lachstaugliche Fischauf- und Abstiegsanlage in Betrieb. Das nun neue "erste Wanderhindernis" für aufwärtsstrebende Wanderfische ist das Kaskadenwehr der Stadt Gaggenau. Dort ist eine neue Wasserkraftanlage geplant, mit welcher gleichzeitig die Durchgängigkeit wieder hergestellt werden wird. Der Spatenstich für die Durchgängigkeit und das Mindestwasser am Lindenwehr in Ottenau ist absehbar. Die Genehmigungen hierfür liegen vor. Weitere Fischwanderhilfen mit Abstiegsanlagen sind aktuell an den Wasserkraftanlagen Klingelmühle und WKO in Betrieb. Bei Letztgenannter ist die Auffindbarkeit der Ausleitungsstrecke durch den zu gering bemessenen MIndestabfluss erheblich eingeschränkt. Das Wanderhindernis der Fa. Glatfelder in Gernsbach ist im Dezember 2011 mit dem Bau eines Fischpasses und einer Fischschutzanlage beseitigt worden. Das Vorhaben wurde mit EU-Fördermittel für den Atlantischen Lachs (Europäischer Fischereifonds EFF) unterstützt. Auch dieses Wasserkraftwerk produziert nun naturverträglichen Strom, da auch ein ausreichender Mindestabfluss abgegeben wird. Im Bereich der Stadt Gernsbach und bei der Fa. WKR stehen noch ökologische Aufwertungen aus. Dort sieht die Murg leider noch so aus, wie seit 80 Jahren: überwiegend trocken. 

Die höchsten Wanderhindernisse in der Murg sind die Staumauern des Niederdruckwerkes in Forbach und von Kirschbaumwasen mit 10,5 m bzw. 17 m Höhe. Auch hier werden derzeit Lösungen für die Durchgängigkeit geplant, ebenso in der weiteren Murgstrecke bis Baiersbronn. 

In die Bewertung zur Funktion der Durchgängigkeit fließt neben der Auffindbarkeit und der Qualität der Fischaufstiegshilfe - sofern vorhanden - auch die Abflussituation in der Ausleitungsstrecke mit ein. Bei fehlendem Wasser ist mit einer sehr starken Wirkung als Wanderhindernis zur überwiegenden Zeit des Jahres zu rechnen. Weil in zahlreichen Wasserkraftanlagen kein Wasser für die Murg abgegeben wird, ist diese derzeit für aufwärts wandernde Fische erheblich eingeschränkt. Hier sind verschiedene Gutachten erstellt worden, welche die notwendigen Mindestabflüsse aufzeigen. Erfahrungsgemäß dauern die Rechtsverfahren hierzu jedoch vergleichsweise lange, da die Wasserkraftbesitzer nur zu ungern auf Wasser verzichten und die Verfahren daher offensichtlich verzögern. 

Die Wasserkraftanlagen befinden sich größtenteils in Privateigentum. Nur einzelne Anlagen in Rastatt und in Forbach sind im Besitz der Gemeinden bzw. derer Stadtwerke. 

Das Naturparadies ist noch trocken

Naturparadies Murg im Kerbtal: immer noch ohne Wasser!
Trockenes Murgbett an der Wasserkraftanlage Schlechtau
Im Verborgenen fällt die trockene Murg nicht auf
Trockenes Murgbett an der Wasserkraftanlage Wolfsheck

Zwischen Weisenbach und Forbach liegt - größtenteil für den vorbeifahrenden Autofahrer verborgen - ein besonderer Abschnitt der Murg. Tief eingebettet in natürliche Felszüge und schroffen Abhängen gleicht die Murg hier einem Naturparadies. Doch die Wasserkraftnutzung an den drei Wasserkraftanlagen Breitwies, Schlechtau und Wolfsheck verhindert derzeit noch die nachhaltige Revitalisierung und Entwicklung der Murg - trotz der strukturellen Natürlichkeit dieses einzigartigen Tales. An vielen Tagen im Jahr ist die Murg hier auf nahezu 10 km vollständig trocken.

Genau in diesem Abschnitt liegt den historischen Aufzeichungen zufolge ein Schwerpunkt der Laichplätze und Kinderstuben des Atlantischen Lachses in der Murg . Wenn die Wasserkraftbetreiber der Murg nur 20% des ankommenden Mittelwassers zurückgäben, wäre die Wiederansiedlung des Lachses im Murgtal gesichert und die Natur könnte sich rasch erholen. Mit dem weitaus größeren Wasseranteil von 80% könnte ausreichend naturverträglicher Strom produziert werden. Wer damit wirbt, ökologischen Strom zu produzieren, sollte das Gewässer nicht verdursten lassen. 

 

Bestes Potenzial für Wanderfische

Natürliche Flussbettstrukturen der Murg mit herausragendem Potenzial für die Wiederansiedlung von Wanderfischen
Trockenes Murgbett bei Breitwies

Zusammenfassend weist die Murg ein herausragendes Potenzial für die Etablierung des Atlantischen Lachses in Baden-Württemberg auf. Das Meerneunauge hat in der Murg bereits ebenso sein Zuhause wieder gefunden wie das Flussneunauge. An der verbesserten Durchgängigkeit für Fische wird derzeit Schritt für Schritt gearbeitet. Zahlreiche Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlagen, welche den Standard der Wanderfische erfüllen, sind erstellt worden oder sind derzeit im Bau. Die Gewässerstrukturen in der Kernzone der historischen Verbreitung und damit der Wiederansiedlung zwischen Weisenbach und Forbach sind nahezu ursprünglich geblieben; die Wasserqualität ist wieder gut. Mit der Abgabe einer ausreichenden Mindestwassermenge durch die drei großen Wasserkraftanlagen in der Kernzone der Wiederansiedlung (Wolfsheck, Breitwies und Schlechtau) und einem geeigneten Kiesmanagement in diesem Abschnitt wird sich der Erfolg mit Sicherheit einstellen. 

Die Murg flussaufwärts von Forbach

Eines der beiden großen Wanderhindernisse an der Murg: Ausleitungswehr Kirschbaumwasen
Murgwehr Kirschbaumwasen
Gute Fischlebensräume in der Murg oberhalb Forbach
Obere Murg bei Röt

In Forbach am Niederdruckwerk der EnBW trifft der Atlantische Lachs auf das erste größere Hindernis. Weiter murgaufwärts folgt dann das Wehr Kirschbaumwasen, welches ähnliche Dimensionen aufweist und die Murg viele Kilometer lang trocken legt. An beiden Wehren wird es wegen der räumlichen Enge erforderlich sein, sogenannte Turm- oder Wendelfischpässe zu errichten, um die Murg auch dort wieder für Fische durchgängig zu gestalten.

Es ist absehbar, dass die unteren Standorte der Wasserkraft bis Forbach in beide Richtungen weitestgehend durchgängig gestaltet werden. Daher wird derzeit auch die Murg flussaufwärts von Forbach für den Lachs erschlossen. Dort liegen ebenfalls hervorragende natürliche Gewässerstrukturen vor - derzeit noch ohne Mindestwasser. Von Forbach ausgehend, über Schönmünz bis Baiersbronn, wechselt die Forellenregion wieder in die flachere Äschenregion.

 

Die Murg zeigt sich ab Schönmünz wieder von ihrer sanften Seite. Die schroffen Felsformationen weichen ausladenden Bögen im breiten Flusstal. Dort lag einst eine bedeutende Äschenpopulation vor. Es ist überliefert, dass zwischen Schönmünzach und Baiersbronn die Äschen noch vor 15 bis 20 Jahren häufiger anzutreffen waren als die die Bachforelle. Heute ist die Äsche dort leider fast ausgestorben, wie in vielen weiteren Gewässern Baden-Württembergs. Durch Anstrengungen der ansässigen Fischerei kann die Äsche in kleinen Beständen erhalten werden.

Für Wanderfische liegen auf diesem Abschnitt ausgezeichnete Laich- und Aufwuchsbedingungen vor. In alten Oberamtsschriften ist belegt, dass Lachse in der barrierefreien Zeit der Murg bis Baiersbronn aufstiegen.

Erste Erfolge

Erster Lachsfang aus der Murg im Dezember 2011
Erster Murg-Lachs 2011

Bereits seit einigen Jahren können in der Murg Lachslaichplätze festgestellt werden, erstmals in 2005. Am 2. Dezember 2011 konnte in der Murg während einer gezielten Nachsuche des Regierungspräsidiums Karlsruhe erstmals in der Murg seit über 80 Jahren ein Lachs gefangen werden. Das männliche Tier wies eine Länge von 81 cm auf und stand im Hochzeitskleid. 

Oos in Baden-Baden

Das Quellgebiet der Oos befindet sich im Schwarzwald unterhalb des Scherrhofes auf annähernd 700 m Höhe. Die Oos fließt durch Oberbeuern und an der Südseite des Klosters Lichtenthal vorbei durch Baden-Baden. Im Jahr 1851 wurde die Oos geteilt: der neue Ooskanal verbindet seither die Oos mit dem Sandbach und führt den dominanten Abfluss. Der Sandbach wiederum mündet flussabwärts der Stufe Iffezheim in den Rhein. Die nordwärts führende „alte“ Oos führt hingegen kaum noch Wasser und fließt bei Rastatt-Niederbühl über den Landgraben in die Murg. Aus der Murg sind früher Lachse in die Oos eingestiegen. Bereits um 1900 hat es in Baden-Baden eine Lachsbesatzstelle gegeben. Heute präsentiert sich die Oos in Baden-Baden in einem zunehmend naturnäheren Zustand. Zahlreiche Strukturverbesserungsmaßnahmen in Baden-Baden und auch im Sandbach haben den Gewässerlebensraum für Junglachse in dem kleinen Lachsgewässer deutlich aufgewertet. Die Wanderroute für aufsteigende Lachse führt heute über den Sandbach in die Oos. Das "Schafwehr" wurde hierzu in 2010 in eine raue Rampe umgestaltet und ist somit für Wanderfische durchgängig. Weitere Maßnahmen sind geplant oder befinden sich in der Umsetzung. Vor allem die Stadt Baden-Baden hat in den vergangenen Jahren mit den orstansässigen Anglern zahlreiche gewässerökologische Maßnahmen umgesetzt.