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17.12.2011 20:27

Lachs-Laichplätze in Kinzig, Murg und Alb

Lachse wandern wieder in die Fließgewässer von Baden-Württemberg ein


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Kinzig

Kinzig unterhalb Schiltach
Kinzig unterhalb Schiltach

Mit einer Lauflänge von ca. 95 km, einem Einzugsgebiet von 1.418 km² und einem mittleren Abfluss von ca. 28 m³/s an ihrer Mündung ist die Kinzig nach dem Neckar der größte Oberrheinzufluss in Baden-Württemberg. Die Kinzig besitzt ein reich verzweigtes Gewässersystem mit den größten Zuflüssen Schutter, Erlenbach, Gutach, Wolfach, Schiltach und Kleine Kinzig. Sie mündet oberhalb der Rheinstaustufe Gambsheim bei Kehl in den Oberrhein.

Wegen der bei starken Hochwasserabflüssen auf­tre­ten­den Schäden wurden die Kinzig und der Erlenbach auf einer Gesamtlänge von ca. 58 km ausgebaut und eingedeicht. Naturnähere Abschnitte blieben oberhalb von Hausach und in den Zuflüssen erhalten.

Lebensraum für Wanderfische

Lachsfang bei Willstätt
Lachsfang bei Willstätt

Ursprünglich zählte die Kinzig mit ihren Zuflüssen zu den wichtigsten Lachsgewässern im Rheinsystem. Die Fang­sta­tis­ti­ken des Fürstlich Fürstenbergischen Rentamtes Wolfach belegen einen historischen Lachsaufstieg bis Schenkenzell, ca. 75 km oberhalb der Mündung. Auch für andere Fische hatte das Gewässersystem eine sehr große Bedeutung. Insgesamt ist dort das regelmäßige Vorkommen von 35 heimischen Arten bekannt. Hierzu zählen Meerforelle, Maifisch sowie Fluss- und Meerneunauge. An der Kinzigmündung wurde im Juli 1916 auch der letzte Stör im Oberrheingebiet gefangen (eine Abbildung ist in der Fotogalerie enthalten).

Die letzten historischen Lachsnachweise aus dem Kinzigsystem sind aus dem Jahr 1958 bekannt. Noch im Jahr 1935 wurden dort 500 Lachse und wenige Jahre zuvor noch ca. 1.800 aufsteigende Fische gemeldet.

Seit einigen Jahren steigen wieder Lachse und Meerforellen in das Gewässersystem auf. Aus dem ursprünglichen Artenspektrum fehlen heute lediglich neuere Nachweise von Maifisch, Fluss- und Meerneunauge.

Großes Potenzial und rasche Entwicklung

Feinrechen am Kraftwerk Steinach
Feinrechen am Kraftwerk Steinach
Umgestalteter Erlenbach
Umgestalteter Erlenbach

Schon die ersten Untersuchungen der Gewässerstrukturen im Jahr 1992 zeigten das große Potenzial des Kinzigsystems für die Lachswieder­ein­bür­ge­rung. Weiterführende spezifische Strukturkartierungen und die wissenschaftlichen Kontrollen des Aufwuchserfolgs eingesetzter Lachsbrütlinge bildeten dann die Grundlage für die Festlegung des Programmgebietes. Dieses erstreckt sich in der Kinzig bis zur Mündung der Kleinen Kinzig in Schenkenzell (ca. 75 km oberhalb der Mündung) sowie bis in die Mittelläufe der größeren Zuflüsse Erlenbach, Gutach, Wolfach und Schiltach. In diesem Bereich ist aktuell eine Lebensraumfläche von 68 ha für das Heranwachsen junger Lachse bis zur Abwanderung geeignet. Damit ist im Kinzigsystem ein herausragend großes Potenzial für die Lachswiederansiedlung vorhanden.

Mit der Inbetriebnahme des Fischpasses an der Rheinstaustufe Gambsheim im April 2006 wurde das Gewässersystem für im Rhein aufsteigende Wanderfische wieder zugänglich. Bereits zuvor gelang es einzelnen Lachsen und Meerforellen über die Schiffsschleusen im Rhein die Kinzig zu erreichen. Dort sind jedoch mit einer Vielzahl von Wehren weitere Aufstiegshindernisse vorhanden. Durch die außerordentlich intensive Wasserkraftnutzung besteht darüber hinaus die Gefahr, dass die Abwärtswanderung von Junglachsen in den Turbinen der Kleinkraftwerke endet.

Durchgängigkeit des Lachsprogrammgebietes im Kinzigsystem
Durchgängigkeit des Kinzigsystems

Hinsichtlich der Durchwanderbarkeit wurden in den vergangenen Jahren große Verbesserungen erzielt. Durch den Bau von Fischpässen konnten die meisten Aufstiegshindernisse durchgängig gestaltet werden. Zusätzlich wurden  an mehreren Wasserkraftanlagen Fischschutz- und Abstiegseinrichtungen installiert. Hierbei konnten auch technische Neuentwicklungen erfolgreich erprobt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Abstiegsanlage an der Wasserkraftanlage bei Steinach, wo im Rahmen eines Pilotprojektes des Landes Baden-Württemberg ein rotierender Schutzrechen mit Abstiegsanlage installiert wurde.

Neben der Herstellung der Durchwanderbarkeit werden auch bei der Aufwertung der Lebensräume rasche Fortschritte erreicht. Bis auf wenige Ausnahmen gelang es, in den zuvor teilweise trocken liegenden Ausleitungsstrecken der Kleinkraftwerke, Mindestabflüsse festzulegen. Hierdurch konnten wertvolle Lebensräume reaktiviert werden, die für die Lachswiederansiedlung unverzichtbar sind.

Auch die Gewässerstrukturen in den ausgebauten Flussabschnitten konnten teilweise deutlich verbessert werden. Im Unterlauf des Erlenbachs und in der angrenzenden Kinzig ließ die Wasserwirtschaftsverwaltung die Vorländer zwischen dem Mittelwasserbett und den Hochwasserschutzdeichen absenken, um dem Gewässer wieder mehr Raum zu geben. In Verbindung mit zusätzlich angelegten Strukturelementen zur Strömungslenkung konnten in diesem ehemals kanalartigen Abschnitt wieder Verhältnisse geschaffen werden, die auch anspruchsvollen Fischarten wie der Äsche eine erfolgreiche Fortpflanzung ermöglichen. Diese und andere Aufwertungsmaßnahen zeigen, dass auch in den ausgebauten Bereichen des Kinzigsystems wieder ein erhebliches Lebensraumpotenzial aktiviert werden kann.

Aktueller Stand und prioritäre Aufgaben

Zur Zeit ist der Aufstieg von Lachsen und anderen Wanderfischen meist nur über etwa 11 km bis zum Kinzigwehr in Willstätt möglich, da dort noch kein funktionstüchtiger Fischpass vorhanden ist. In Willstätt und an den anderen, bisher kaum überwindbaren Querbauwerken, zeichnen sich jedoch rasche Lösungen ab.

Die Kinzig und ihre meisten Nebengewässer im Wiederansiedlungsgebiet können daher voraussichtlich schon innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre vollständig erschlossen werden.

Da in kurzer Zeit ein sehr großes Lebensraumpotenzial für die Wiederansiedlung bereit stehen wird, besteht die nächste prioritäre Aufgabe im Aufbau eines Kinziglachsbestandes. Hierzu ist zunächst eine starke Steigerung der Anzahl eingesetzter Brütlinge notwendig. Während bisher jährlich etwa 35.000 Junglachse eingesetzt wurden, ist nach der Erschließung des Gewässersystems ein Besatz mit etwa 500.000 Brütlingen sinnvoll.

Als Grundlage für den zukünftigen Jungfischbesatz haben wir in diesem Jahr damit begonnen, einen Teil der in den Rhein zurückkehrenden Lachse an den Kontrollstationen der Rheinstaustufen Iffezheim und Gambsheim zu fangen, um sie zum Aufbau eines Elterntierstammes nutzen. Hierfür möchten wir eine eigene Fischzuchtanlage einrichten.

Da in der Kinzig noch keine Kontrolleinrichtungen bestehen, konnten die bisher zurückgekehrten Lachse nur zufällig nachgewiesen werden. Im Rahmen von Baumaßnahmen am Kinzigwehr in Willstätt streben wir die Einrichtung einer Monitoringstation an.

Hiermit möchten wir die jährliche Rückkehr der Lachse beobachten und dokumentieren.